Professionelle Instandhaltung
Ein entscheidender Sicherheits- und Wettbewerbsfaktor!
Trends – Potentiale – Konzepte – Lösungen – Ergebnisse
Alle Welt redet plötzlich von der Instandhaltung. So als ob dieses Thema eine Neuentdeckung wäre. So als ob Instandhaltung in der Industrie nicht von jeher eine gewichtige Rolle gespielt hätte. Mit der MAINTAIN hat sich selbst eine erfolgreiche Messe zu diesem Thema etabliert. Wie kommt es zu diesem „neuen Instandhaltungsbewußtsein“? Was ergeben sich daraus für Herausforderungen (und Chancen) für den Technischen Handel? Und wo steht er im Instandhaltungsprozeß? Fragen, die Vertreter des Technischen Handels, der Industrie, der Industriedienstleister und des Fachverbandes DKIN beim jährlichen „Expertengespräch am runden Tisch“ in Düsseldorf diskutierten. Das Thema: „Professionelle Instandhaltung – ein entscheidender Sicherheits- und Wettbewerbsfaktor“.Weißer Fleck Instandhaltung
Was bedeutet „Instandhaltung“ eigentlich heute? Wovon reden wir? Instandhaltung ist eine komplexe technische Disziplin. Letztlich die Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in praktisch handhabbare, nutzbringende Technik. Nach DIN 31051 zählen dazu die klassischen Verfahren Wartung, Inspektion und Instandsetzung, im weiteren Sinne aber alle Maßnahmen, die zur Modernisierung und Modifizierung einer Anlage (oder eines Betriebsgebäudes) notwendig sind. Übrigens nicht nur unter betriebswirtschaftlichen, sondern auch unter Umweltaspekten. „Die betriebliche Wirklichkeit ist von vorne bis hinten erschlossen“, so DKIN-Vorsitzender Rolf Neurath. „Der letzte weiße Fleck ist die Instandhaltung.“ Haben die Instandhalter ein Wahrnehmungsproblem?Wahrnehmungs- und Kommunikationsproblem
War die Instandhaltung in arbeitsintensiven Industrien eine „Randerscheinung“, so hat die Veränderung der Arbeitswelt die Perspektiven verschoben. Wo Prozesse zunehmend automatisiert sind, viele Schritte der Instandhaltung aber weiterhin mit Handarbeit verbunden sind, gewinnt der „Mann mit dem Ölkännchen“ in einer weitgehend menschenleeren Anlage naturgemäß an relativem Gewicht. Und nachdem „Instandhaltung“ in den großen Industrien früher ein integraler Bestandteil des Prozesses war, diese komplexe Leistung heute aber im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft oft ausgelagert ist zu Servicegesellschaften (oder zum Technischen Handel), fällt sie plötzlich als Kostenfaktor auf, spätestens, wenn der Controller die Rechnung des Instandhaltungsdienstleisters zu Gesicht bekommt. Und da wird aus dem Wahrnehmungsproblem ein Kommunikationsproblem.Vom Kosten- zum Wert(schöpfungs-)faktor
Fakt ist: Das Berufsbild des Instandhalters hat sich verändert. Von der Statistenrolle zur Hauptrolle. Den Mann mit dem Ölkännchen gibt es nach wie vor. Dr. Martin Lechner, Messe München GmbH: „Aber das Thema Instandhaltung ist längst eine hochkomplexe Managementaufgabe, die ein umfangreiches Know-how und viel Erfahrung in der Branche erfordert.“ Nicht nur unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von heute hängt die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit eines Industrieunternehmens von seiner hohen Produktivität ab. Die Produktivität wiederum hängt vom reibungslosen, möglichst unterbrechungsfreien Funktionieren der Produktionsanlage ab. Gerade in komplexen Anlagen bedeutet ein Maschinenstillstand nicht selten den Stillstand des kompletten Produktionsprozesses. Ein GAU für den Betrieb: Die Kosten laufen weiter, die Wertschöpfung aber nicht. Instandhaltung zur Verhütung oder zumindest Minimierung von Ausfallzeiten ist daher ein entscheidender Produktivitätsfaktor. Im Blick auf die optimierte Lebensdauer der Anlage aber auch ein Wertschöpfungs- und Werterhaltungsfaktor. Allerdings hat das Bewußtsein auf der Ebene der Controller und Einkäufer mit dieser Entwicklung nur teilweise Schritt gehalten. Vielleicht auch, weil die Instandhalter selbst und ihre Partner auf der Dienstleisterseite zu wenig getan haben, um ihre eigene Rolle zu kommunizieren?Technischer Handel als natürlicher Instandhaltungspartner
Ob diese Leistung nun ausgelagert ist oder nicht – die Aufgabe ist geblieben, und sie zu lösen erfordert immer Partner. Partner mit betriebswirtschaftlichem Blick für das Ganze des Produktionsprozesses, Partner mit ingenieurmäßigem Blick für die Details. Hier hat sich seit jeher, aber in den vergangenen Jahren mehr und mehr eine Branche engagiert, die von ihrer Dienstleistungsorientierung, ihrer technischen Ausrichtung, ihrem speziellen Portfolio her, ihres Beschaffungs- und Logistik-Know-hows wegen und nicht zuletzt dank ihrer engen Verzahnung mit der Lieferindustrie für dieses komplexe Aufgabenbündel mehr als andere quasi prädestiniert ist: der Technische Handel. „Die Verschlankung in den Industrien hat zu Defi ziten in der Dienstleistung geführt“, so Richard Horvath, Vizedirektor Maagtechnic. „Wo der Technische Handel die‚Servicewüsten’ gesehen und als Dienstleister in die Lücke gesprungen ist, hat sich etwas bewegt.“ Auch im Selbstverständnis ist diese Entwicklung niedergeschlagen: Instandhaltung zählt längst ebenso zu den Kernkompetenzen des Technischen Handels wie seit altersher z.B. die Gummitechnik – u.a., weil sie auf fast alle dieser Kernkompetenzen aufsattelt.Instandhaltungsportfolio
Das Spektrum der Instandhaltungskompetenz ist breit. Es umfaßt klassischerweise den Bereich Chemotechnik mit einer Vielzahl jener modernen, spezialisierten Hochleistungsschmierstoffe, die gleichsam „das Ölkännchen“ abgelöst haben und die in der Anlage die Lebensdauer erhöhen. Es umfaßt den Bereich Dichtungstechnik, Verbrauchsmaterialien also, die ebenfalls als hochspezialisierte Produkte für das jeweilige Leistungsprofil aus chemischen und physikalischen Anforderungen maßgeschneidert sind. Der Bereich Schlauch- und Armaturentechnik ist ebenfalls ein klassisches Instandhaltungsthema, ob es um Schläuche für die hydraulische Kraftübertragung geht oder um Schlauchleitungen zum Medientransport. Auch der Bereich Gummitechnik gehört dazu, der mit seinen Förderbändern, aber auch mit Kompensatoren oder Formteilen Prozesse am Laufen hält – in Verbindung mit der Antriebstechnik und ihrem breiten Sortiment an Riemen für die Kraftübertragung. Ebenso natürlich die Wälzlagertechnik, deren Wartung im klassischen Sinn dafür Sorge trägt, daß kein Sand ins Getriebe kommt. Im weiteren Sinne zählt aber auch der größte Bereich des Technischen Handels dazu, nämlich Arbeitsschutz und Persönliche Schutzausrüstungen. Schließlich geht es hier um die „vorbeugende Instandhaltung des Produktionsfaktors Mensch“.Service-Partner vor Ort
Der Technische Handel mit seinem Portfolio als „Instandhaltungsdienstleister“ der Industrie bzw. der Industrieserviceanbieter – das ist allerdings nur die eine Hälfte des Leistungsprofils. Die andere: seine Dienstleistungen, häufig als Feuerwehreinsatz vor Ort. Ob alterungsbedingt ein Transportband gerissen, ein Hydraulikschlauch geplatzt ist oder ein Wälzlager ausfällt, es ist meist der Technische Handel, dessen Lager die dringend benötigten Ersatzteile bereithält, der vielleicht sogar im Wochenend- oder Nachteinsatz daraus das maßgeschneiderte Bauteil konfektioniert und es liefert, um die Nutzenausfallzeit der Industrie zu minimieren. Ob ein Problem auftaucht, das mit herkömmlichen Mitteln nicht zu lösen ist, es ist häufig der Technische Handel, dessen Experten die Problemlage vor Ort aufnehmen und im Dialog mit den F&EAbteilungen ihrer Lieferanten Innovationsimpulse liefern. Und dessen regionale Nähe zum Kunden und sachliche Nähe zur Lieferindustrie ihn zur idealen Brücke zwischen Hersteller und Anwender machen. Peter Goeck, Geschäftsleitung ThyssenKrupp-Industrieservice: „Sinkende Bestände in der Industrie, aber hohe Verfügbarkeitsreserven, das geht nun einmal nicht zusammen. Es sei denn, unter Einbeziehung des Technischen Handels.“ Sicher allerdings nicht des Technischen Handels, der „in Katalogen denkt“. Dr.-Ing. Jens Reppenhagen, Geschäftsführer RS Roman Seliger GmbH: „Instandhaltung ist mehr als ein reines Ersatzteilgeschäft. Die Industrie braucht keine Einzelprodukte, sondern Problemlösungen. Für sie sind nicht die Beschaffungskosten interessant, sondern die Prozeßkosten – Produkt plus Einbaukosten plus Nutzenausfallkosten minus Kosteneinsparung durch mehr Prozeßsicherheit.“In einem Boot
So gesehen sind die Instandhaltungsabteilungen der Industrie bzw. die Industriedienstleistungsfirmen und der Instandhaltungsdienstleister Technischer Handel natürliche Verbündete, „die gerade im Interesse der höheren Produktivität die konsequente Instandhaltung als entscheidenden Wettbewerbsvorteil verkaufen müssen“, so Heinz-Jürgen Weinrich, Geschäftsführer Knust Gruppe, „damit er als solcher wirksam wird.“ Die Instandhalter müssen ihn innerhalb der anwendenden Industrie, bei Einkäufern, Controllern sowie im Vorstand verkaufen – und der Technische Handel und seine Partner aus der Lieferindustrie von „außen“. Um so mehr, als der Prozeß der zunehmenden Automation der Fertigungsprozesse und Lieferketten und der abnehmenden Zahl der Produktionsarbeitsplätze in Deutschland noch lange nicht abgeschlossen ist.Standort Deutschland: Schlüsselposition Instandhaltung
Gerade unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs, wo es gilt, auch der Abwanderung ganzer Produktionen ins Ausland gegenzusteuern, liegt das Heil eben in der noch stärkeren Erhöhung der Produktivität und damit der noch weiter gehenden Automatisierung und der noch weiter gehenden Rationalisierung der Prozeßketten. Und gerade hier kommt der Instandhaltung eine Schlüsselrolle zu, werden in den Produktionsablauf integrierte Lösungen im Bereich der Instandhaltung immer wichtiger. VTH-Geschäftsführer Thomas Vierhaus: „Optimierte Instandhaltung also – betriebswirtschaftlich gesehen – als Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit eines Industrieunternehmens. Und volkswirtschaftlich gesehen als entscheidender Beitrag zur Zukunftssicherung des Standorts Deutschland.“ Übrigens nicht nur im Binnenmarkt. „Warum“, so VTH-Vorsitzender Joachim Stricker, „sollte die Zusammenarbeit des Technischen Handels mit der Industrie und den Industriedienstleistern auf dem Gebiet der vorbeugenden Instandhaltung nicht auch den Outsourcing-Strömen folgen und als Exportschlager reüssieren?“Statements der Teilnehmer
Moderator Louis Schnabl, Geschäftsführer der Kommunikations- und MarketingagenturHS Public Relations GmbH (Düsseldorf)
„Die Instandhalter der Industrie und ihre Instandhaltungsdienstleister z.B. im Technischen Handel müssen die Entscheiderebene kommunikativ in die Zange nehmen. Beide sind hier natürliche Verbündete – und das ist gut so für Deutschland.“
Joachim Stricker, Vorsitzender VTH Verband Technischer Handel e.V. und Geschäftsführender Gesellschafter Gummi-Stricker GmbH & Co. KG
„Voraussetzung und Folge effizienter Instandhaltung sind intensiv geschulte Mitarbeiter. Instandhaltung ist nach wie vor beste Handarbeit, und hier muß in Menschen investiert werden, ihre Qualifikation im Detail und ihren Blick für den Gesamtprozeß. Volkswirtschaftlich gesehen also das Denken, das jeder private Autokäufer an den Tag legt, der auch die Betriebskosten mitbedenkt.“
Dr. Martin, Lechner Messe München GmbH/MAINTAIN (München)
„Was ich mir wünsche: eine Stärkung des Netzwerks über die ganze Wertschöpfungskette hinweg, angefangen vom Technischen Handel bis hin zum Instandhaltungsdienstleister. Ein Netzwerk, in dem auf dem kurzen Dienstweg Projekte angestoßen werden können.“
Richard Horvath, Vizedirektor Maagtechnic (Dübendorf/Schweiz)
„Wenn der Einkäufer nur am Volumen beurteilt wird, können wir nichts bewegen. Er muß vom Kosten- zum Nutzendenker werden. Letztlich geht es immer um Prozeßoptimierung. Mit der Verbesserung der Abwicklung in der Beschaffung fängt es an, mit der erhöhten Verfügbarkeit in der Produktion hört es auf.“
Dipl.-Vw. Thomas Vierhaus, Geschäftsführer VTH Verband Technischer Handel e.V. (Düsseldorf)
„Wir müssen mit Sicherheit sehr viel mehr miteinander reden. Im ersten Schritt die Instandhalter mit ihrem Einkäufer über die Ganzheitlichkeit von Prozessen. Erst im zweiten Schritt der Einkäufer mit dem Handel über Partnerschaft. Im dritten Schritt aber alle zusammen über die Schlüsselrolle ihrer Partnerschaft in der breiten Fachöffentlichkeit.“
Peter Goeck, Geschäftsleitung ThyssenKrupp Industrieservice GmbH (Köln)
„Die Automatisierung schreitet immer weiter voran, aber Instandhaltung ist nicht durch Maschinen zu leisten. Nur durch Menschen, die dafür sorgen, daß dieser hohe Automatisierungsgrad, der unseren Standort am Leben hält, überhaupt funktioniert. So kommt es etwa bei Raffinerien zu der Situation, daß die Instandhaltung mehr Mitarbeiter hat als die Produktion. Es wäre der Bedeutung dieser Abteilung durchaus angemessen, wenn wir in der Öffentlichkeitsarbeit auch für den Instandhaltungsingenieur werben.“
Rolf Neurath, Präsident DKIN Deutsches Komitee Instandhaltung e.V. (Friedrichsdorf)
„Produktion und Instandhaltung sind notwendigerweise ein Team bei der Erfüllung des gemeinsamen Ziels einer maximalen Ausbringung. Das wirkt sich auch auf die Mitarbeitermotivation aus – als Wirgefühl für das Produkt.“
Dr.-Ing. Jens Reppenhagen, Geschäftsführer RS Roman Seliger Armaturenfabrik GmbH (Norderstedt)
„Als Hersteller von Hochwertarmaturen und anderen Sicherheitstechnologien z.B. im Bereich Fluid- und Verladetechnik kennen wir beide Seiten. Unsere Instandhalter stellen durch ihre vorbeugende Instandhaltung sicher, daß wir effizient und effektiv für die Instandhaltung produzieren können. Lösungen, die dann der Technische Handel als Dienstleister der Industrie oder den Industrieservicegesellschaften zur Verfügung stellt, damit deren Instandhalter in ihren Betrieben den gleichen Effekt haben.“
Heinz-Jürgen Weinrich, Geschäftsführer Knust Gruppe (Herne)
„Industrielle Instandhaltung ist sicherlich ein Schlüssel zur Effizienzsteigerung im globalen Wettbewerb. So gesehen hängt auch die Zukunft des Industriestandorts Deutschland ganz wesentlich von einem optimierten Instandhaltungsmanagement ab. Wenn es gelingt, diese nicht nur als Kostenfaktor zu kommunizieren, sondern als Wertschöpfungfaktor, als Kompetenz- und Produktivfaktor, haben definitiv alle Beteiligten gewonnen.“

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