Forum E-Commerce: Auf dem Weg zur New Economy (VTH 382)

 E-Commerce sorgt für Unruhe. Bei manchen, weil sie nicht so genau wissen, was da auf sie zukommt. Bei anderen, weil sie es ziemlich genau wissen. Einig waren sich alle im Urteil, wie wichtig das Forum E-Com-merce für den Technischen Handel war. Und daß der VTH Verband Technischer Handel e.V., der dieses Thema aufgriff, und die TOP-PARTNER, die dieses Forum ermöglichten, mit dieser bundesweiten Veranstaltung auf hohem Niveau eine neue Qualität der Dienstleistung für die Verbandsmitglieder erreicht haben.

Entsprechend groß war die Resonanz. Knapp 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland füllten den Saal bis auf den letzten Platz.
Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Thema E-Commerce ist neben der Angst davor, den Anschluß zu verpassen, fast immer der Wunsch, mit dem Einsatz elektronischer Medien die Prozeßkosten der Beschaffung oder des Vertriebs entscheidend zu senken. Dr. Rolf Schäfer, Hauptgeschäftsführer des VTH: „In der Praxis zeigt sich, daß zur Erreichung dieses Ziels zunächst einmal ganz erhebliche finanzielle Mittel für die dazu erforderliche EDV-Hardware, die Software und die Ausbildung der damit befaßten Mitarbeiter aufgewendet werden müssen.“ Deshalb ist die Information über den richtigen Weg so wichtig, und deshalb sieht der VTH seine Aufgabe nicht zuletzt darin, auf diesem weiten Feld Orientierungshilfen zu geben.

Industrieller Einkauf: E-Commerce – Zukunft oder Luftblase?

Zwei Megatrends bestimmen aus Sicht von Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) in Frankfurt, die aktuelle Marktentwicklung: der Trend „E“, also die Entwicklung zu E-Commerce und E-Logistics, und der Trend „G“, also die zunehmende Globalisierung. Zwei Trends, die sich wechselseitig beeinflussen. Aus Sicht der Einkäufer in der Industrie – und ihrer Partner im Technischen Handel – ist zunächst vor allem der Trend E interessant. Im Zuge der zunehmenden Vernetzung der Einkaufsprozesse wird die Einkaufsorganisation zum modernen Prozeßeinkauf, bei dem Lieferanten in die unternehmensübergreifenden Netzwerke integriert werden.
Die Zukunft spielt sich nach Auffassung von Dr. Hildebrandt in den nationalen und internationalen E-Marktplätzen ab. Die sorgen für mehr Markttransparenz und eine Reduzierung der Kosten. Vor allem verschlanken sie die Beschaffungsprozesse – von C-Artikeln bis zu Dienstleistungen. „Einkaufsqualität kann nicht mehr nur an Preissenkungen gemessen werden“, so Dr. Hildebrandt, „aber an der Gesamtoptimierung der Kosten, an den Leistungen in der Wert-schöpfungskette und an der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in der realen wie in der virtuellen Welt.“


Technischer Handel: Branche im Umbruch

„Die beschriebenen Prozesse zwingen auch den Technischen Handel zu einer neuen Standortbestimmung seiner technischen und logistischen Kompetenz“, so Joachim Stricker, Vorsitzender des VTH Verband Technischer Handel e.V. und Geschäftsführer der Gummi-Stricker GmbH + Co. KG in Münster. „Denn bei Kunden wie Lieferanten des Technischen Handels sind Konzentrationsprozesse zu beobachten, die zwangsläufig dazu führen, daß beide Seiten über neue Vertriebs- und Einkaufswege nachdenken. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Veränderungen durch die neuen elektronischen Möglichkeiten, die sich teilweise in dramatischer Geschwindigkeit vollziehen.“ Dabei betonte Stricker, daß Umbrüche nicht nur eine bedrohliche Perspektive haben. „Strukturwandel ist im Technischen Handel nicht neu. Schon vor 20 Jahren hieß es, nur die Großen hätten eine Überlebenschance, und wie ich sehe, haben die meisten Kleinen dem Wettbewerb standgehalten. Solange wir uns der Entwicklung nicht verschließen, sondern sie bejahen, sehe ich keinen Grund zur Panik. Nicht weil ich die Herausforderungen des Strukturwandels unterschätze, sondern weil ich die Leistungs- und Überlebensfähigkeit unserer Branche als sehr hoch einschätze.“
Wie die in der Praxis aussieht, zeigten drei Technische Händler, die vom Stand des Umbruchs in ihren Häusern berichteten. Wenn es für den Technischen Handel darum geht, Neuland zu betreten, kann er durchaus von den Erfahrungen der Kollegenfirmen profitieren, die auf diesem Weg schon vorangegangen sind. Aber auch von den Erfahrungen der Unternehmen der New Economy, die als Dienstleister auf diesem Gebiet in andern Branchen Erfahrung gesammelt haben. Sieben Referenten informierten über den neuen Sprachstandard BMEcat, über eCl@ss als neuen Standard für die Materialklassifikation in der elektronischen Beschaffung, über elektronische Marktplätze und virtuelle Großhandelsunternehmen.


Real und virtuell: Kommunikation steht weiterhin an erster Stelle

Ob am Ende mehr Klarheit herrschte oder nur Unklarheit auf deutlich höherem Niveau? Klar war am Ende sicher ein entscheidender Punkt: Die Digitalisierung hat die Kommunikationsmedien verändert und wird sie weiter ändern – zu Lasten von Fax, Brief und Telefon. Sie wird aber weder die Kommunikatoren verändern noch das Kommunikationsbedürfnis. E-Commerce hat ein deutlich intensiveres persönliches Gespräch als Voraussetzung – und als Folge. HS

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