VTH-Fachgruppe Antriebstechnik: Tag der Begegnung (VTH 745)

Hubert Reiff (2.v.r.), Vorsitzender der VTH-Fachgruppe Antriebstechnik Das Treffen der Antriebstechnikspezialisten war weit mehr als die jährliche Mitgliederversammlung der VTH-Fachgruppe Antriebstechnik. Was vor einem Jahr in Frankfurt bei „Impulse 2002“ vorgemacht und bei der MV vorgedacht worden war, wurde in Darmstadt umgesetzt: Ein kommunikatives Arbeitsessen an Stehtischen am Vorabend, das „Forum Antriebstechnik“ als begleitende Fachmesse und ein attraktives Vortragsprogramm mit hochkarätigen Referenten umrahmten die eigentliche Mitgliederversammlung und machten die Novembersitzung 2003 zu einem „Tag der Begegnung“.

„Ganz bewußt wurde der Rahmen weitgefaßt“, so Fachgruppenvorsitzender Hubert Reiff. „Wir haben Fachgruppenmitglieder und Nichtmitglieder, TOP-PARTNER und Nicht-TOP-PARTNER eingeladen, um erlebbar zu machen, welchen Vorsprung der unmittelbare Dialog zwischen Lieferanten und Händlern antriebstechnischer Produkte in dieser seltenen Dichte vermittelt.“ Reiff konnte mehr als zufrieden sein. 16 Herstellern und die große Zahl von Händlern, die der Einladung folgten, zeigten, daß das Konzept voll aufging.
Aufgegangen war auch das Schulungskonzept der Fachgruppe. Nachdem der „Zahnriementag“ am 14.10. im Süden Deutschlands sehr gut angenommen wurde, soll er 2004 auch für die Mitte und den Norden wiederholt werden. In seinem Jahresbericht wies Hubert Reiff auch auf die Spitzengespräche der Fachgruppe mit dem VDMA und seinem Fachverband Antriebstechnik sowie mit der INA hin, Belege dafür, daß die Fachgruppe als Dialogpartner und als Mandatsträger auch außerhalb des VTH Anerkennung gefunden hat.
Neuer und alter Fachgruppenvorstand
Das gilt innerhalb der Fachgruppe erst recht. Auf Bitten des VTH trat Hubert Reiff (Fa. REIFF, Reutlingen) zu einer zweiten Amtszeit als Fachgruppenvorsitzender an und wurde ebenso wie seine Stellvertreter Dr. Mathias Sahlberg (Fa. Sahlberg, Feldkirchen) und Klaus Linskens (Fa. Müllenmeister, Krefeld) in seinem Amt bestätigt. Markus Schäfer (Fa. Schäfer Technik, Ulm) und Werner Mangelsdorf (Fa. Heusinger + Salmon, Garbsen) stellten sich nicht mehr für eine weitere Periode zur Verfügung. Für sie wurden Heinz-Helmut Piel (Fa. PIEL, Soest) und Rolf Steinemer (Fa. KSA, Aachen) gewählt – alle einstimmig bei eigener Enthaltung.
Marktplatz als Info-Plattform
Den Reigen der Vorträge eröffnete Jörn Lehmann (Frankfurt), Projektleiter des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. Er erklärte Nutzen und Bedeutung des Internetmarktplatzes „www.VDMA-e-market.de“, der sich anders als viele kommerzielle Marktplätze, die mangels Akzeptanz durch die Hersteller längst vom Markt verschwunden sind, steigender Beliebtheit erfreut. Ein Grund: Sein Projekt versteht sich in erster Linie als Info-Marktplatz, was dem Nutzerverhalten entgegenkommt, wonach das Internet von 96% aller Nutzer zu Onlinerecherchen gebraucht wird und auf diese Weise klassische Nachschlagewerke weitestgehend substituiert hat, während die eigentliche Beschaffung nach wie vor vorzugsweise auf klassischem Wege funktioniert.
Das Minimax-Prinzip
Warfen die Technischen Händler einen Blick in eine Zukunft ohne Antriebsriemen? Dr.-Ing. Konstantin Alexander Büscher (Igersheim), Vertriebsleiter der WITTENSTEIN cyber motor GmbH stellte in seinem Vortrag „Das Minimax-Prinzip – optimale Antriebslösungen für kleine Abmessungen“ nicht nur miniaturisierte High-Tech-Antriebe vor, sondern vor allem Lösungen, bei denen Stator und Rotor und Kupplung und Getriebe in einem Block zusammengefaßt sind, also unter Verzicht auf „Antriebstechnik“ im Sinne Technischer Händler. Was den Techniker fasziniert, muß den Kaufmann nicht beunruhigen. Was bei elektromechanischen Servoantrieben bis 1 KWh funktioniert und sinnvoll ist, rentiert sich z.B. in der Medizin- und Robotertechnik, aber nicht unbedingt in der Maschinen- und Anlagentechnik, die Technische Händler im Fokus haben.
Tendenzen im industriellen Einkauf
So fand sich das Thema Miniaturisierung auch nicht unter „Tendenzen im industriellen Einkauf“, die Dr. Holger Hildebrandt (Frankfurt), Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) in Frankfurt frisch vom BME-Symposium in Berlin mitbrachte: „Ich kann Sie beruhigen: Es bleibt hektisch!“ Nicht zuletzt, weil die Wirtschaftsdaten – abgesehen von der Arbeitsplatzentwicklung – nicht unerfreulich sind. Trotz der Währungsdisparität zwischen Euro und Dollar steigen die Exportaufträge, auch die Produktionsauslastung nimmt zu – gute Aussichten also für den Technischen Handel. An der Aufgabe des Einkaufs, sowohl die Beschaffung als auch die Beschaffungskosten zu optimieren, ändert sich nichts, die Tendenzen aber zu Supply- und Materialgruppenmanagement, zur Bündelung der Volumina und zur Ausschöpfung von Synergien, zur Nutzung moderner Informationstechnologien und zur Standardisierung von Prozessen sind noch nicht an ihrem Ende angelangt. Der Technische Handel, der mit seiner Dienstleistung „auf dieser Welle surft“, wird sich um seine Zukunft Gedanken, aber keine Sorgen machen müssen.
Lieferanten stärker einbinden
Die Foren 2002 und 2003 waren ein guter Anfang. Generell möchte die Fachgruppe Antriebstechnik ihre Lieferanten künftig noch stärker in ihre Arbeit einbinden. Auf welche Weise dies am besten geschieht, ist zu diskutieren. Nach Ansicht vieler Fachgruppenmitglieder ist hierfür die aktive Mitwirkung der Lieferanten in den regelmäßigen Sitzungen der Fachgruppe nötig. So kommen die Probleme direkt „auf den Tisch“, und Händler und Lieferanten können gemeinsam über Lösungen diskutieren. Geplant ist nun für Frühjahr 2004 zunächst ein Kreativ-Workshop, bei dem die Lieferanten ihre eigenen Vorstellungen einer Zusammenarbeit mit der Fachgruppe aufzeigen können. HS

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