Innovationspreis des Technischen Handels 2004 (VTH 894)

Rainer Sattelmacher (Hamburg) Der Technische Handel ist innovativ – ohne Frage. Nur muß das auch einmal deutlich gesagt werden. Anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Branchenverbandes VTH Verband Technischer Handel e.V. 2004 wurde erstmals der „Innovationspreis des Technischen Handels“ verliehen, dotiert mit 10.000 Euro und einer Künstlerplastik.

Erster Preisträger: WILLBRANDT Gummitechnik KG in Hamburg, die eine Außenabdichtung des Seekastens von Ozeanriesen für Reparaturarbeiten ohne Trockendock entwickelt hat – und diese innovative Ingenieurleistung jetzt vermarktet. So wagte sich die mittelständische Firma erstmals auch auf den Weltmarkt in China und stellte auf der Messe Marintec 2003 in Shanghai dieses neue Produkt mit großem Erfolg vor. Ergebnis: Deutsches Ingeneering ist auch in Fernost sehr gefragt. Der Inhaber der Fa. WILLBRANDT, Rainer Sattelmacher, konnte auf der Jubiläumsbundestagung des VTH auf dem Petersberg für diese Leistung den Preis entgegennehmen und erlebte so die Geburt einer neuen Tradition. Künftig wird Jahr für Jahr eine Jury unter den eingereichten Projekten Technischer Händler dasjenige aussuchen, das besonders beispielhaft für die Innovationsfreude der Branche steht.
Die Werftindustrie Chinas hält derzeit mit einem Anteil von 12% den dritten Rang im Weltschiffbau – mit deutlich steigender Tendenz und der klaren Zielausrichtung, in den nächsten zehn Jahren Weltmarktführer im Schiffsbau zu werden. Dem hat die deutsche Werftindustrie wenig entgegenzusetzen. Wohl aber die deutschen Schiffszulieferer, die mit innovativen Komponenten ihren Know-how-Vorsprung halten. Dazu zählt die WILLBRANDT Gummitechnik KG in Hamburg, die ihren Slogan „Faszination Gummi – unsere Kompetenz“ schon in einer Reihe von technisch anspruchsvollen Produkten aus Gummi und Kunststoff für die Schiffbauindustrie umgesetzt hat. Die jüngste Entwicklung, die dann auch mit dem Innovationspreis 2004 ausgezeichnet wurde, ist eine Abdichtung der unterhalb der Wasserlinie liegenden Öffnungen im Schiffsrumpf. Um die Saug- und Auslaßleitungen von außen abdichten zu können, adaptierten die Ingenieure von WILLBRANDT das Prinzip des Thermoskannenverschlusses: Einen elastischen Gummibalg, der durch Drehen seine Tiefe verkürzt, so daß sich der Durchmesser ausdehnt, bis der Stopfen die Austrittsöffnung abdichtet. Eine weitere Lösung entwickelte WILLBRANDT in diesem Zusammenhang für die Außenabdichtung des „Seekastens“; in dem das Meerwasser für die Kühlung der Motoren während der Fahrt ausgetauscht wird. Dazu bringen Taucher von außen ein Art Gummisegel an, das sich flexibel an die Rumpfform anpaßt und mit seefesten Gleichstrom-Elektro-Magneten oder mechanisch mit Bügeln gegen Verrutschen gesichert ist. So kann der Seekasten von innen betreten werden, um die Saugleitungen und Armaturen des Kühlwassersystems zu warten. Für diese Arbeiten mußte das Schiff bislang immer in das Trockendock einer Reparaturwerft geschleppt werden, was für die Reeder mit enormen Kosten und Zeitverlust verbunden war – jedenfalls vor Erfindung der „ambulanten Unterwasserabdichtung“ von WILLBRANDT. HS

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