Betriebliche Handschuhpläne: Verletzungsgefahren verringern (VTH 222)

 Schön bunt, aber wild durcheinander: So sieht das Sammelsurium an Schutzhandschuhen für die verschiedensten Einsatzzwecke – oder manchmal auch für den gleichen – heute noch in vielen Betrieben aus. Entscheidungen für einen Handschuhtyp für bestimmte Anwendungsfälle haben sich oft aus der Geschichte heraus entwickelt, ohne daß je geprüft wurde, ob der Handschuh für den spezifischen Einsatzzweck überhaupt geeignet ist. Abhilfe schaffen kann hier ein übersichtlicher Handschuhplan.

Die Wahl des richtigen Schutzhandschuhs spielt insbesondere im Bereich der Chemie eine entscheidende Rolle, da man die Gefahr hier oft nicht rechtzeitig oder gar nicht erkennt. Ein über Jahre hinweg falsch eingesetzter Schutzhandschuh kann durchaus für erst sehr spät auftretende Erkrankungen der Haut (Dermatosen) oder auch für Allergien verantwortlich sein.
Am meisten gefährdet: Hand und Handgelenk
Neben der steigenden Anzahl von Allergien durch Berufsstoffe nehmen Hand- und Handgelenksverletzungen den Spitzenplatz bei den meldepflichtigen Unfällen mit einer Ausfallzeit des Mitarbeiters von mindestens drei Tagen ein. Nahezu die Hälfte aller meldepflichtigen Unfälle sind Handverletzungen. Hiervon wäre ein großer Teil vermeidbar gewesen, wenn man den richtigen Handschuh eingesetzt hätte.
Geschulte Berater sollten daher bei der Organisation und der richtigen Auswahl der für den jeweiligen Anwendungsfall geeigneten Schutzhandschuhe herangezogen werden. Sie können jeden einzelnen Arbeitsplatz hinsichtlich seines Risiko- und Gefährdungspotentials erfassen und beurteilen. Dabei findet eine enge Zusammenarbeit mit der Betriebsleitung, der Arbeitssicherheit, den Arbeitsmedizinern und den Meistern vor Ort statt.
Praxisorientierte Lösungen
Zur Analyse der im Einsatz befindlichen Berufsstoffe und Chemikalien bieten namhafte Hersteller auch an, ihr betriebsinternes Labor zu nutzen. Dort können kurzfristig alle notwendigen Prüfungen der EN 388, EN 374, EN 455, EN 407, EN 511 und EN 60903 vorgenommen werden. Die Ergebnisse werden in ausführlichen Prüfberichten festgehalten und dem Kunden zur Verfügung gestellt. Manche Hersteller sind dank eigener Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der Lage, individuelle Anforderung des Kunden umzusetzen, so daß auch schwierige Fälle praxisorientiert gelöst werden können.
Erst diese konzeptionelle Vorgehensweise ermöglicht es den Betrieben, die richtigen Schutzhandschuhe zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort einzusetzen. Die hierbei erzielten finanziellen und organisatorischen Einsparungen sind beachtlich. Der Weg dorthin und die gewonnenen Ergebnisse in Form eines Handschuhplans werden in einer umfangreichen Dokumentation dargestellt, die auch als Nachweis nach dem Arbeitsschutzgesetz dient. Dabei kommen neben der Auswahl der richtigen Schutzhandschuhe auch die Punkte Unterweisung, Motivation und Trageakzeptanz der Mitarbeiter nicht zu kurz.
Handschuhplan: wann wo welcher Handschuh
Die Konzentration der Ergebnisse in Form des Handschuhplans erhöht dabei entscheidend die Transparenz im Unternehmen, da für jeden leicht erkennbar ist, welcher Handschuh in welcher Situation den idealen Schutz darstellt. Die farbliche Codierung dient dabei der leichteren Kontrolle bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Der Handschuhplan gibt dem Leser sofort die wichtigsten Details im Bereich Schutzhandschuhe wieder. Er ist die visuelle Darstellung der Dokumentation und für jeden verständlich: vom Sicherheitsingenieur über den Mitarbeiter im Lager bis hin zum Handschuhträger. Die Handschuhtypen werden hiermit reduziert, so daß für eine Tätigkeit oder einen Bereich nur noch ein ganz bestimmter Handschuh in Frage kommt. Ein Handschuhplan erfüllt also folgende wichtige Aufgaben:
• Dokumentation nach dem Arbeitsschutzgesetz
• Reduzierung der Handschuhtypen
• gesteigerte Wirtschaftlichkeit durch Lagerreduzierung
• Verwechslungsgefahr bei der Materialausgabe ausgeschlossen
• Controlling für die Sicherheitsfachkraft schnell und einfach durchführbar
• Handschuhträger merkt sich nur noch die Farbe seines Handschuhs
• Wareneingangskontrolle schnell und sicher durchführbar
• Steigerung des Sicherheitsgefühls der Handschuhträger = Motivation zur PSA-Nutzung
Eine Bestätigung für den Sinn solcher Handschuhkonzepte gab es im vergangenen Jahr von höchster Stelle. Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung verlieh dem Schutzhandschuhhersteller KCL (Eichenzell) und dem Technischen Händler Harry Wegner GmbH & Co. KG (Hamburg) den Gefahrstoffschutz-Preis 2000 für ihr überzeugendes Schutzhandschuhkonzept bei der Deutschen Shell AG.
Vorgehensweise
Risiko-Gefahren-Analyse
Betriebsbegehung und Risiko-Gefahren-Analyse vor Ort
Laborprüfungen
Zusammentragen der ersten Ergebnisse
Besprechung mit dem SI + FASI
Trageversuch mit Begleitung des Herstellers
Auswertung
Zusammenfassung und Festlegung der endgültigen Handschuhe
(Dokumentation)
Einführung
Schulung / Motivation
der Handschuhträger
Jährliche Prüfung der getroffenen Entscheidung

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